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Die Welt des Werkzeugs blickt nach Köln

Die Internationale Eisenwarenmesse 2010 ist die weltweit wichtigste Werkzeugmesse

Vom 28. Februar bis 3. März 2010 findet nunmehr zum dritten Mal im Zweijahresrhythmus die Internationale Eisenwarenmesse in Köln statt.

Vom 28. Februar bis 3. März 2010 findet nunmehr zum dritten Mal im Zweijahresrhythmus die Internationale Eisenwarenmesse in Köln statt. Die Mitglieder des Fachverbands Werkzeugindustrie e.V. (FWI), Remscheid blicken mit besonderer Spannung auf die diesjährige Messe: Denn nach einer scharfen, weltweiten Rezession erwartet die Werkzeugindustrie im Jahr 2010 eine deutliche Wiederbelebung der Konjunktur, dies aber nicht nur im deutschen Markt, sondern, für die exportstarke Werkzeugindustrie besonders wichtig, auch auf den europäischen und überseeischen Exportmärkten.

Einige Bemerkungen seien vorausgeschickt: Die Werkzeugbranche ist der Koelnmesse dankbar, dass sie wieder klar und profiliert zum Titel „Internationale Eisenwarenmesse“ (International Hardware Fair) zurückgefunden hat. Die deutliche Strukturierung in fünf Angebotsschwerpunkte, darunter „Tools“ gibt der Internationale Eisenwarenmesse ein neues Gesicht und klare Strukturen – für Aussteller wie für Besucher. Von den über 2.700 Anbietern, die ausstellen werden, zeigen über 2.000 Unternehmen ihr umfassendes Angebot an Hand-, Elektrowerkzeugen sowie Elektrowerkzeugzubehör. Dazu kommen rund 150 Anbieter aus dem Bereich Fasteners and Fixing. Diese Angebotsbereiche umfassen mit Schwerpunkt auch den Zuständigkeitsbereich des Fachverbands Werkzeugindustrie e.V., der mit über 140 Mitgliedern organisiert ist. Im FWI sind die klassischen Werkzeugunternehmen organisiert. Sie produzieren vor allem Handwerkzeuge für Profis, aber auch für Hobbywerker, Maschinenwerkzeuge für die Holz- und Metallbearbeitung, Bauwerkzeuge sowie Dübel und Befestigungstechnik.

Deshalb ist der Fachverband Werkzeugindustrie mit über 70 Ausstellern als reinen Werkzeugherstellern in Köln besonders stark repräsentiert.

Besonders erfreulich ist die nahezu uneingeschränkte Präsenz aller namhaften Werkzeugproduzenten im Vergleich zur Vorveranstaltung: Angesichts der drastischen Konjunktureinbrüche vor mehr als einem Jahr hätte im Vergleich zu anderen Branchenmessen der letzten Monate ein durchaus höheres Minus an Ausstellern und Fläche verzeichnet werden können. Dies beweist, dass die hohe Internationalität der Internationalen Eisenwarenmesse das Master-Kriterium für Aussteller wie für Besucher ist.

Die Ausgangssituation der deutschen Werkzeugindustrie zu Beginn des Jahres ist wie folgt:

In welch einem rasanten Tempo sich die Lage der Werkzeughersteller in Deutschland binnen Jahresfrist verschlechtert hat, lässt sich überzeugend belegen: Im jüngsten „Situations- und Tendenzberichts“ des FWI für Dezember 2009 beurteilen immer noch 86% der befragten Unternehmen ihre Situation als „unbefriedigend“. Für befriedigend halten sie mittlerweile immerhin wieder 14%, ein Wert der jedoch nichts zu tun hat mit der konjunkturellen Situation in den zwei Jahren zuvor, die als die besten Jahre in der Geschichte der Werkzeugindustrie überhaupt gelten.

Noch nie in der Nachkriegszeit hat es einen solch abrupten Einbruch gegeben. Dem Boom folgte unmittelbar tiefste Rezession. Die Werkzeugindustrie ist zwar starke Schwankungen gewöhnt, doch diese Auswirkungen der Finanzkrise hatte keiner erwartet. So gingen die Umsätze in den ersten 9 Monaten 2009 um 29% zurück. Im Halbjahr hatte das Minus allerdings noch über 31% betragen. Mit Blick auf das Gesamtjahr 2009 verzeichnen wir einen Rückgang von etwa 25% über alles.

Von der traditionellen Exportstärke der deutschen Werkzeugindustrie ist gegenwärtig wenig zu spüren. Die Exportumsätze der Hersteller sanken bis September 2009 um 32%. An inländische Kunden gingen 28% weniger Werkzeuge. Die Bestellungen in einigen Teilbranchen sanken teilweise um mehr als die Hälfte. Infolgedessen spielt die Kurzarbeit, die vor einem Jahr noch überhaupt noch kein Thema war und selbst bis April 2009 nur eine untergeordnete Rolle spielte, mittlerweile noch für fast 80% aller Betriebe eine Rolle.

Auch der Rückgang der Werkzeugimporte in den ersten 9 Monaten um 25% beweist die anhaltende Schwäche der deutschen Wirtschaft. Asiatische Einfuhren sind zwar um 18% zurückgegangen, machen aber mittlerweile 37% des Gesamtimports aus. Die Volksrepublik China führt hier mit einem Gesamtanteil von fast 21% erneut die Liste der wichtigsten Einfuhrländer an. Handwerkzeuge nehmen mit 76% den Löwenanteil der chinesischen Importe ein.

Die Ausfuhren der deutschen Werkzeugindustrie einschließlich Handelsware lagen in den ersten 9 Monaten um 26% unter dem Niveau von 2008. Dabei ist Europa der wichtigste Absatzmarkt: 60% der Gesamtausfuhren fließen in die EU-Mitgliedsstaaten. Außerhalb Europas sind die USA das wichtigste Ausfuhrland mit fast 7% Anteil. Asiatische Länder haben einen Anteil von 14% am Gesamtexport für sich zusammengenommen.

Eigentlich ist es normal, dass der Unternehmer immer in Zyklen denken muß. Konjunkturelle Durststrecken hat die Werkzeugindustrie bisher immer mit erheblichen Anstrengungen, offensiven Qualitätsstrategien und konsequenten Innovationsleistungen durchgehalten und dadurch Einbrüche wettgemacht und sogar übertroffen. Die Verbandsmitglieder haben ihre Hausaufgaben bei den Anforderungen an Management und Produktentwicklung gemacht. So ist dem FWI kein durch die Krise bedingter Zusammenbruch eines Unternehmens bekannt. Allerdings ist zu fragen, ob die Betriebe ein weiteres Jahr ähnlicher Art wie 2009 unbeschadet verkraften können. Denn die selbst in guten Zeiten relativ bescheidenen Renditen tendieren teilweise längst gegen Null. Insofern ist zu hoffen, dass eine „Bodenbildung“ auf dem recht niedrigen Niveau inzwischen geschafft ist und sich verstärkt.

Es sei kurz zurückgeblendet: Die Werkzeugindustrie hatte in der jüngsten Vergangenheit ausgesprochen gute Zeiten erlebt. Die Branche hat international ihre Wettbewerbsfähigkeit unter Beweis gestellt, indem sie von 2002 – 2007 von 2,7 Mrd. auf fast 3,7 Mrd. € wuchs. Dies sind immerhin 36%. Selbst 2008 war mit einem Umsatzrückgang von nicht einmal 1% auf 3,65 Mrd. € für 2/3 der Werkzeughersteller das beste Jahr ihrer Geschichte. In der Branche sind etwa 950 Unternehmen, rund 28.000 Personen beschäftigt. Dabei haben rund 750 Betriebe weniger als 20 Mitarbeiter.

Rund 80% der hier hergestellten Produkte gehen in die Industrie, die auf hochwertiges Werkzeug angewiesen ist – und zwar rund 45% direkt an die großen Kunden wie Autoindustrie, Maschinenbau oder Bauindustrie und 35% über den für die Branche sehr wichtigen Produktionsverbindungshandel, der Lagerfunktionen übernimmt. Die restlichen 20% verteilen sich auf Facheinzelhändler (etwa 12%) und auf Bau- und Heimwerkermärkte (8%), die eher auf Billigprodukte auf Fernost setzen.

Vor diesem Hintergrund geht die Werkzeugindustrie in einem gedämpften wirtschaftlichen Umfeld dennoch mit Optimismus und Zuversicht in die vier Kölner Tage. Denn die Internationale Eisenwarenmesse ist die internationalste Messe der Hartwarenbranche und mit Abstand die interessanteste Plattform. Während im Jahr 2009 Werkzeugmessen in Europa und im überseeischen Ausland durchweg gekennzeichnet waren von einer Halbierung der Ausstellerzahlen und entsprechende Rückgänge auf der Besucherseite, ja es wurden sogar Messen abgesagt oder verschoben, bündeln nun alle Werkzeugproduzenten und Werkzeughändler ihre Kräfte für das Top-Ereignis in Köln.

Auch der Fachverband Werkzeugindustrie, der im vergangenen Jahr sein 100-jähriges Bestehen beging, bereitet sich auf die Messe vor: Eine Untersuchung über die Produktionsbedingungen an Arbeitsplätzen in der chinesischen Werkzeugindustrie und deren Veröffentlichung in der deutschen Medienlandschaft wird in diesem Jahr auf dem Stand des FWI präsentiert, nachdem bei den letzten Messen immer wieder Fälle von unsicherem und gefährlichem Werkzeug dokumentiert wurden bzw. das verbreitete Phänomen von Plagiaten in der Werkzeugindustrie aufgegriffen wurde.

Fachverband Werkzeugindustrie e. V.
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