Skip to content

Werkzeug made in Germany im Zeitalter des e-Commerce: Chancen und Herausforderungen

Ist das Internet tatsächlich in erster Linie als Bedrohung für deutsche Firmen zu sehen oder bietet es nicht vielmehr Chancen, die es zu nutzen gilt?

Nicht nur bei Werkzeugen bietet das Internet dem Verbraucher bislang nicht gekannte Möglichkeiten, sich ohne größeren Aufwand über das gesamte verfügbare Produktspektrum zu informieren, das für ihn nach objektiven und subjektiven Kriterien am besten geeignete Produkt zu finden und letztlich auch zu bestellen, falls es beim Fachhändler vor Ort nicht verfügbar sein sollte.
So erhalten Produkte wieder eine Chance, die in der Sortimentspolitik der angestammten Vertriebskanäle nicht mehr ausreichend berücksichtigt werden. Dies gilt auch für Werkzeug „made in Germany“. Dieses wird oft auch von kleineren Firmen hergestellt, die aufgrund geringer Marketingkraft, eingeschränkter Sortimentsbreite oder schlicht aus Margengründen vom Fachhandel nicht mehr als attraktiv empfunden werden. So konnten diese Firmen mit ihren Produkten bislang auch diejenigen Kunden nicht mehr erreichen, die nach wie vor Wert auf Werkzeug aus deutscher Produktion legen.
Das Internet eröffnet nun Möglichkeiten, Angebot und Nachfrage nicht nur auf diesem speziellen Gebiet wieder zusammenzubringen. Bereits praktiziert sind auch Mischformen im Vertrieb, wobei häufig nachgefragte Standard-Werkzeuge eines Herstellers weiter über den Fachhandel vertrieben werden, Spezialprodukte jedoch über einen Webshop des Herstellers oder eine externe Plattform.
„Made in Germany“ ist jedoch auch im Werkzeugbereich kein Selbstläufer mehr. Um die durch das Internet eröffnete Chance nutzen und langfristig im Wettbewerb bestehen zu können, müssen die Firmen einige Voraussetzungen hinsichtlich ihrer Produkte, ihrer internen Organisation, ihres Marketings und ihrer Informationspolitik erfüllen.
An erster Stelle steht nach wie vor die Qualität und Langlebigkeit der Produkte. Innovationen dürfen kein Selbstzweck sein, sondern müssen sich am konkreten Bedarf des Kunden orientieren. Auch bei einem innovativen Produkt erwartet der Kunde, dass dieses ausgereift ist und neben seinem Zusatznutzen die gleiche Alltagstauglichkeit und Langlebigkeit bietet wie das Vorgängerprodukt. Immer wichtiger wird die ergonomische Gestaltung der Produkte. Neu- und weiterentwickelte Produkte sind bereits in ihrer Entwicklungsphase nach verschiedenen Kriterien wie Materialeffizienz, rationelle Fertigungsmöglichkeit, Reparaturfreundlichkeit und nicht zuletzt im Hinblick auf die spätere Entsorgung zu optimieren.
Neu entwickelte Produkte sind konsequent durch die Anmeldung von Patenten, Gebrauchsmustern bzw. Designrechten gegen Billig-Nachahmungen zu schützen. Dies gilt auch für die Markennamen und -zeichen des Unternehmens.
Nicht zuletzt sind die Produkte, welche die Kriterien für „made in Germany“ erfüllen, auch entsprechend zu kennzeichnen, um den Kunden einen zumindest subjektiven Mehrwert zu bieten und ihn in seiner Kaufentscheidung zu bestätigen.
Vertreibt das Unternehmen auch Produkte, die nicht die Kriterien für „made in Germany“ erfüllen (siehe Kasten), darf weder durch eine entsprechende Kennzeichnung noch durch unklare Formulierungen in Katalogen oder auf Internetseiten der Eindruck erweckt werden, dass auch diese Produkte aus deutscher Fertigung stammen. Je sorgfältiger diese Unterscheidung gegenüber den Kunden gehandhabt wird, umso mehr profitieren die mit „made in Germany“ gekennzeichneten bzw. beworbenen Werkzeuge.
Eine wertvolle Unterstützung bei der Vermarktung von Werkzeugen aus deutscher Produktion ist das vom Fachverband Werkzeugindustrie e. V. (FWI) vergebene Verbandszeichen „deutsches Werkzeug – made in Germany“. Besonders Firmen, deren Marken weniger bekannt sind oder die sich auf ein kleineres Produktprogramm spezialisiert haben, profitieren von diesem Marketingverbund.
Besonders die kleineren Werkzeughersteller müssen das Potential des Internets konsequent nutzen, indem sie den Internetplattformen aussagekräftige Produktdaten, Marketingtexte und Abbildungen zur Verfügung stellen, damit ihre Produkte in der Vielfalt des Angebots nicht untergehen.
Gleichzeitig vermitteln vollständige Produktangaben Kompetenz und unterstützen die Kaufentscheidung. Für erklärungsbedürftige Produkte bieten einige Firmen auf ihrer Internetseite zusätzliche Produktfinder an.
Oft wird der Trend zum Internethandel vorrangig mit einem verstärkten Preisdruck in Verbindung gebracht. Diesem Druck sehen sich die deutschen Werkzeughersteller jedoch durch ihre Großabnehmer ohnehin ausgesetzt. Besonders für die kleineren Hersteller bieten sich daher eher Chancen, die konsequent zu nutzen sind.

+——————————————————————————————+

Kriterien für „made in Germany“ bei Werkzeugen

Werkzeuge dürfen nur dann mit „made in Germany“ bzw. „Germany“ gekennzeichnet und beworben werden, wenn alle qualitätsbegründenden Arbeitsgänge zu ihrer Herstellung in Deutschland ausgeführt worden sind.
Dieses Kriterium wird werkzeugspezifisch betrachtet. Es hat sich im Wettbewerbsrecht bewährt und wird weithin von Herstellern und Verbrauchern akzeptiert.
Die Branche wehrt sich daher mehrheitlich gegen Pläne der EU, eine verpflichtende „made in“-Kennzeichnung einzuführen, die auf anderen Kriterien (z. B. Wertanteile) beruht.
Werkzeugsätze dürfen übrigens nur dann mit „made in Germany“ oder „Germany“ beworben werden, wenn alle enthaltenen Werkzeuge aus deutscher Fertigung stammen.

+——————————————————————————————+

.jpg

Fachverband Werkzeugindustrie e. V.

Elberfelder Str. 77

42853 Remscheid

Telefon: 0 21 91/4 38-21

Telefax: 0 21 91/4 38-79

fwi@werkzeug.org

www.werkzeug.org

www.werkzeugnachrichten.de

www.deutscheswerkzeug.de

www.werkzeugsicherheit.de